Die gesundheitsfördernde Schule in Österreich

„Schulische Gesundheitsförderung umfasst nicht nur die Information über Gesundheitsthemen und das Einwirken auf das Verhalten des Einzelnen, sondern auch die Gestaltung eines gesundheitsförderlichen Lebensraumes.“ (Grundsatzerlass zum Unterrichtsprinzip Gesundheitserziehung des BMUKK, 1997)

Die Strategie des BMB zur gesundheitsfördernden Schule in Österreich folgt einem ganzheitlichen Ansatz und versucht, aktuellen Herausforderungen durch breite Thematisierung von Gesundheitsthemen gerecht zu werden. Sie dient als Ressource für all jene Schulen, die im Bereich der Gesundheitsförderung aktiv werden möchten und sich dazu nähere Informationen und Unterstützung wünschen.

Die Darstellung der gesundheitsfördernden Schule umfasst Themen, Akteure und Grundprinzipien der GFS und kann als schultypenübergreifendes „Zielbild“ verstanden werden. Besondere Bedeutung soll in der Vision von einer GFS der engen Kooperation zwischen den einzelnen Akteuren und Ebenen beigemessen werden.  Das sich ergebende Zielbild soll die verschiedensten Schultypen des österreichischen Bildungssystems, inklusive der Pädagogischen Hochschulen, als Leitbild auf ihrem Weg zur gesundheitsfördernden Institution unterstützen.

Gesunde Schule_Grafik

Die gesundheitsfördernde Schule knüpft an das im Jahr 2007 vom Bildungs- und vom Gesundheitsministerium sowie dem Hauptverband der österreichischen Versicherungsträger ins Leben gerufene Projekt „Gesunde Schule“ an. Sie nimmt in ihren Maßnahmen direkten Bezug auf die Rahmengesundheitsziele des Gesundheitsministeriums. Sie folgt in ihrem Ansatz einer Reihe von Grundprinzipien und wird somit der WHO Definition der GFS im Kontext nationaler Gesundheitsziele gerecht:

Setting Ansatz

Die GFS-Strategie sieht einen ganzheitlichen Ansatz vor, welcher für die Schülerinnen und Schüler eine gesunde Umwelt zur Verfügung stellt und dabei zur Schaffung gesunder Rahmenbedingungen alle Stakeholder, das heißt alle Zielgruppen und Akteure im direkten Schulumfeld (Schulleiter/innen, Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern, Schulärztinnen und -ärzte, Schulpsycholog/inn/en, nicht unterrichtendes Schulpersonal, Akteure in direkter Umgebung der Schule) im Sinne einer erhöhten Partizipation mit einbezieht, und an Entscheidungsprozessen und Handlungsabläufen innerhalb der Organisation der gesunden Schule teilhaben lässt. Sie versteht Gesundheit in einem holistischen Sinne. Sowohl physische als auch psychische Gesundheit sollen in einer gesunden Lebens- und Arbeitsumwelt gefördert werden.  

Health in all Policies

Dem in der Kindergesundheitsstrategie festgehaltenen Begriff der „Health in all Policies“ soll durch Vernetzung auf allen Ebenen und durch die Schaffung eines gemeinsamen Verantwortungsgefühls entsprochen werden. Vernetzung erfolgt demgemäß nicht nur zwischen den einzelnen inhaltlichen Themenblöcken der Gesunden Schule sondern auch zwischen den einzelnen Umsetzungsebenen und Akteuren innerhalb der Schule, d.h. Schulleitungspraxis und Unterrichtspraxis sowie der Schule als Umsetzungsebene mit den zuständigen Ressorts der Bundesministerien auf Verwaltungsebene. Vor allem jedoch erfolgt Vernetzung auf politischer Ebene durch ein Grundsatzbekenntnis der zuständigen Ministerien zu einer umfassenden Strategie und ihrem Stellenwert, sowie durch forcierte interministerielle Kooperationen im Kontext der Gesundheitsförderung.

Handlungskompetenz/Selbstbestimmung

Die Zielgruppen der gesundheitsfördernden Schule sollen durch aktive Partizipation Kompetenzen zur Wahrnehmung ihrer eigenen gesundheitsbezogenen Interessen erwerben (Empowerment). Sie sollen nicht bloße Empfänger von gesundheitsförderlichen Botschaften und Angeboten sein. Die Entwicklung von Lebenskompetenzen wird im Kontext der gesunden Schule in Österreich vor allem durch kompetenzorientierte Lehrpläne und Bildungsstandards wie z.B. jene für personale- und soziale Kompetenzen unterstützt werden können.

Chancengleichheit/Individualisierung

In einem systemischen Ansatz der gesundheitsfördernden Schule soll das Individuum nicht vernachlässigt werden. Die Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse und Begabungen muss durchgängig in allen Themenfeldern integrativ verankert sein und sozialen Benachteiligungen muss systematisch begegnet werden.

Prävention

Prävention zielt auf die Bewahrung der Gesundheit sowie auf Vermeidung und Früherkennung von Krankheiten. Mit der Strategie zur gesundheitsfördernden Schule soll ein Paradigmenwechsel von der Rehabilitation hin zur Prävention begründet werden. Maßnahmen und Initativen sollen dahingehend ausgerichtet werden, alle Zielgruppen der gesundheitsfördernden Schule mit all ihren individuellen Bedürfnissen und Besonderheiten bestmöglich in der Erhaltung ihrer Gesundheit zu unterstützen.

Nachhaltigkeit

Der Strategie zugrunde liegt weiters das Prinzip der Nachhaltigkeit. Neben der Bewusstseinsschaffung für ökologische Nachhaltigkeit bezieht sich dieses Prinzip auch auf die Strategie an sich. Sie soll einerseits flexibel genug sein, kurzfristig die akutesten Handlungsfelder je nach den sich laufend ändernden Herausforderungen aufzugreifen, andererseits langfristig aufrecht zu erhalten sein.

Evaluation & Research

Laufende Selbst- und Außenevaluation sollen Nachhaltigkeit und Wirksamkeit der Strategie sichtbar machen und absichern.

Die wesentlichen Akteure

In erster Linie adressiert die GFS die Schüler/innen im formalen Bildungssystem. Im Sinne des Setting-Ansatzes sollen jedoch auch Schulleitung, Lehrkräfte, Schulärztinnen und -ärzte sowie nichtunterrichtendes Schulpersonal von dem Konzept der gesundheitsfördernden Schule profitieren.

Die Lehrkräfte – an Schulen und Pädagogischen Hochschulen – nehmen im Sinne des Setting-Ansatzes eine zentrale Rolle ein: Sie können in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bewegung Maßnahmen für Lernende und für sich selbst setzen, um Belastungen auszugleichen und einen gesundheits- und
bewegungsorientierten Lebensstil zu fördern. Die Kompetenzen der „Health Literacy“ der Pädagog/innen sind  im Sinne einer professionellen Kompetenzorientierung in allen Phasen der Aus- und Weiterbildung zu entwickeln und zu vertiefen, was seinen Niederschlag  in den Curricula künftiger Lehrkräfte finden sollte (s. „Verankerung von ,Health Literacy‘ in der Pädagog/innenbildungNEU“ – PDF).

Als wesentliche Akteure, die erheblich auf die physische und psychosoziale Gesundheit der genannten Personen Einfluss nehmen, jedoch nicht der Organisation Schule im engsten Sinne angehören, treten vor allem die Schulärztinnen und -ärzte, Schulpsychologen/innen und Schulsozialarbeiter/innen auf. Daneben soll durch intensivierte Kooperation mit den Vertreter/innen der lokalen Verwaltung, sowie Vereinen oder externen Gesundheitsanbietern (z.B. HSV, Krankenassen, Ärzte und Ärztinnen etc.) auch auf externe Ressourcen zugegriffen werden können.

Eltern nehmen in der gesundheitsfördernden Schule eine Sonderrolle ein, da sie als Mediatoren zwischen dem GF Angebot der Schule und der Gesundheit ihrer Kinder fungieren, und somit einerseits Zielgruppe der GFS sind, und dabei gleichzeitig wohl auch die mitunter wichtigsten Akteure.