HBSC Studie

Health Behaviour in School-aged Children Study

Die Kindheit und Jugend sind jene Lebensphasen, in welcher die Weichen für Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Lebensqualität in späteren Jahren gestellt werden. In dieser Zeit können gesundheitsrelevante Verhaltensweisen erworben und eingeübt sowie psychische und physische Gesundheitsressourcen aufgebaut werden. Darum ist es besonders wichtig, der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, ihren Einflussfaktoren und den daraus resultierenden möglichen präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen eine große Bedeutung beizumessen.
Entsprechende Daten, die politisches und praktisches Handeln anleiten und ermöglichen, liefert die internationale „Health Behaviour in School-aged Children-Study“ (kurz: HBSC-Studie; >> www.hbsc.org) in einem Vierjahresrhythmus. Die Studie wird vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) finanziert, in seiner Umsetzung durch das Bundesministerium für Bildung (BMB) unterstützt und vom Ludwig Boltzmann Institute Health Promotion Research (LBIHPR) durchgeführt.

Der aktuelle Bericht „Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern“ steht auf der Homepage des BMG zum Download zur Verfügung: > Gesundheit und Gesundheitsverhalten österreichischer SchülerInnen 2014

 

Zentrale Ergebnisse aus der HBSC-Studie 2014

Gesundheitszustand

  • 37,3% der Schülerinnen und Schüler bezeichnen ihre Gesundheit als ausgezeichnet und weitere 49,0% als gut.
  • Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit ist hoch und liegt bei 7,8 auf einer Skala von 0 bis 10.
  • Die durchschnittliche Beschwerdelast liegt bei 35,95 auf einer Skala von 0 (keinerlei Beschwerden) bis 100 (höchstmögliche Beschwerdelast).
  • Von acht abgefragten physischen und psychischen Beschwerden leiden die Schülerinnen und Schüler am häufigsten an Gereiztheit bzw. schlechter Laune und an Einschlafschwierigkeiten.
  • Wie in den vergangenen HBSC-Erhebungen, sind auch im Jahr 2014 das Alter und das Geschlecht der Schülerinnen und Schüler signifikante Einflussgrößen auf ihren subjektiven Gesundheitszustand, ihre Lebenszufriedenheit und die Beschwerdelast.
  • Rund 15% der Kinder und Jugendlichen fühlen sich zu dünn und 39% zu dick. Den selbstberichteten Angaben zu Körpergröße und -gewicht zufolge sind jedoch nur rund 15% als übergewichtig oder adipös einzustufen.
  • Ca. 37% meinen, abnehmen zu müssen bzw. sind deshalb gerade auf Diät.
  • 76,6% der Schülerinnen und Schüler putzen sich mehrmals täglich die Zähne.
  • 13- bis 17-jährige Jugendliche zeigen in Bezug auf psychische Probleme relativ wenig Gesundheitskompetenz, während z.B. ihr Verständnis für die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils oder für ärztliche Anweisungen relativ gut ausgeprägt ist.

Gesundheits- und Risikoverhalten

  • Weniger als ein Fünftel (17,4%) hält sich an die WHO-Bewegungsempfehlung von täglicher körperlicher Aktivität im Ausmaß von mindestens 60 Minuten.
  • Berücksichtigt man auch die jeweilige Dauer der täglichen körperlichen Aktivität, ergeben sich durchschnittlich 4,8 Stunden pro Woche. Bei dieser Berechnungsform zeigt sich ein wesentlich geringerer Alterseffekt als bei der WHO-Bewegungsempfehlung für Kinder und Jugendliche.
  • Rund 5,4 Stunden täglich an Schultagen und 7,5 Stunden an schulfreien Tagen wird mit sitzendem Freizeitverhalten vor dem Fernseher, Computer, am Handy o.Ä. verbracht.
  • 43,8% essen täglich Obst und 30,6% täglich Gemüse. Beides ist bei Mädchen beliebter als bei Burschen.
  • Der tägliche Konsum von Süßigkeiten ist bei 27,9% zu beobachten, wovon Mädchen etwas häufiger als Burschen betroffen sind.
  • Ca. 16% trinken täglich zuckerhaltige Limonaden (Softdrinks), davon deutlich mehr Burschen als Mädchen.
  • Ungefähr die Hälfte der Schülerinnen und Schüler frühstücken unter der Woche täglich, während ein Drittel immer ohne Frühstück das Haus verlässt.
  • Gemeinsame tägliche Mahlzeiten in der Familie werden zu 21% in der Früh und zu 36% am Abend eingenommen.
  • Rund 16% der Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen rauchen gelegentlich oder täglich.
  • Ca. 10% der 15-Jährigen und 16% der 17-Jährigen rauchen täglich.
  • 53% der 17-jährigen Burschen und 33% der 17-jährigen Mädchen trinken wöchentlich oder öfter alkoholhaltige Getränke.
  • Rund 6% der Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren haben in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Cannabis konsumiert.
  • Rund 30% der Kinder und Jugendlichen waren im letzten Jahr an mindestens einer Rauferei beteiligt.
  • 35,0% beteiligten sich in den letzten paar Monaten zumindest einmal am Schikanieren bzw. Bullying von Mitschülerinnen oder Mitschülern. 32,5% berichten, zumindest einmal Opfer von Bullying-Attacken geworden zu sein.
  • Wiederholtem Bullying waren 14,1% der Schülerinnen und Schüler ausgesetzt. 13,2% der Mädchen und Burschen wiederum sind Bullying-Wiederholungs-Täter/innen.
  • Über 7,2% der Schülerinnen und Schüler wurden beleidigende Nachrichten über verschiedene Medien verbreitet und von 4,5% wurden peinliche Fotos aufgenommen und ins Netz gestellt (Cyberbullying).
  • Rund 94% der 15- und 17-Jährigen haben beim letzten Geschlechtsverkehr verhütet, hauptsächlich mit Kondom und/oder Antibabypille.

Soziale Determinanten von Gesundheit

  • Bei einer guten Gesprächsbasis zu den Eltern weisen Schülerinnen und Schüler ein signifikant höheres Wohlbefinden (Variablen Gesundheitsstatus, Beschwerdelast und Lebenszufriedenheit) auf. Auf das Gesundheitsverhalten hat das familiäre Gesprächsklima nur teilweise Einfluss, am stärksten noch in Bezug auf Tabak- und Alkoholkonsum.
  • Auch die wahrgenommene Unterstützung im Freundeskreis leistet einen Beitrag dazu, dass sich Kinder und Jugendliche gesund und wohl fühlen. Auf den Konsum psychoaktiver Substanzen hat diese jedoch keinen Einfluss.
  • Schulische Faktoren spielen eine große Rolle für das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Auch das Gesundheitsverhalten hängt z.T. mit diesen zusammen. So ist etwa eine stärkere schulische Belastung mit geringerer körperlicher Aktivität assoziiert. Schülerinnen und Schüler mit schlechten Schulleistungen verbringen mehr Zeit mit Fernsehen, Computer spielen, u.Ä. Der Tabak- und Alkoholkonsum ist stärker bei jenen Schülerinnen und Schülern ausgeprägt, für die die Schule nicht so positiv besetzt ist.
  • Die soziale Lage wirkt, unabhängig von einem vorhandenen Migrationshintergrund, vor allem auf Variablen des Wohlbefindens, während sich bei bestimmten Variablen des Gesundheitsverhaltens stärker kulturelle bzw. religiöse Unterschiede manifestieren. So zeigen Jugendliche mit Migrationshintergrund zwar ein weniger gesundes Ernährungsverhalten, rauchen dafür aber seltener und konsumieren v.a. wenig bis gar keinen Alkohol.

Entwicklungen in der Gesundheit und dem Gesundheitsverhalten

  • Bei den Ergebnissen zum subjektiven Gesundheitszustand ist kein eindeutiger Trend seit 2002 beobachtbar.
  • Die Beschwerdelast ist zwischen 1994 und 2006 kontinuierlich gesun-ken und steigt seitdem wieder an. Diese Entwicklung ist unabhängig von Alter und Geschlecht.
  • Der Anteil an übergewichtigen oder adipösen Schülerinnen und Schü-lern ist laut Selbstbericht seit 1998 bei beiden Geschlechtern gestiegen.
  • Seit 2002 geben immer weniger 11- bis 15-Jährige an, genau das richtige Gewicht zu haben.
  • Österreichische Schülerinnen und Schüler essen immer öfter täglich Obst. Taten dies 2006 noch ca. ein Drittel aller 11- bis 15-Jährigen, so sind es nun etwa die Hälfte.
  • Auch der tägliche Gemüsekonsum ist seit 2006 kontinuierlich im Steigen begriffen. Dies trifft auf beide Geschlechter zu, obwohl zu allen Zeitpunkten Mädchen, absolut gesehen, öfter Gemüse zu sich nehmen als Burschen.
  • Der tägliche Konsum von Süßigkeiten ist seit 2002 leicht gestiegen, wenn auch in geringerem Ausmaß als der Konsum von Obst und Gemüse.
  • Der tägliche Konsum von süßen Limonaden war zwischen 2002 und 2010 konstant und ist seitdem stark gesunken, am deutlichsten bei den 15-Jährigen.
  • An der relativen Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die unter der Woche täglich frühstücken, hat sich seit 2002 kaum etwas geändert; sie liegt zwischen 50% und 60%.
  • 11- bis 15-jährige Österreicherinnen und Österreicher sind seit 2002 relativ konstant durchschnittlich 4 bis 4,5 Tage pro Woche im Ausmaß von mindestens einer Stunde täglich körperlich aktiv.
  • Die Raucher/innenquote unter 11- bis 15-Jährigen ist seit 1998 um ca. die Hälfte gesunken.
  • Ebenso zurückgegangen ist der wöchentliche Alkoholkonsum in dieser Altersgruppe.
  • Die Rate an Schülerinnen und Schülern, die in den letzten Monaten mehrmals Opfer von Bullying wurden liegt seit 2002 bei ungefähr 15%; die Rate an Bullying-Wiederholungs-Täter/inne/n schwankt seitdem zwischen 13% und 18%.
  • Die Beteiligung an Raufereien ist seit 2002 vor allem bei 15-Jährigen rückläufig.